Sehr geehrte Damen und Herren,
mit wachsendem Interesse habe ich die Internet-Präsentation Ihres Hotels Almhof betrachtet. Ihr Geschäft sagt mir außerordentlich zu.
Bevor ich nun aber den angebotenen Prospekt bestelle, möchte ich Ihnen einige Fragen stellen, die mich nachdenklich gestimmt haben.
Auf Ihrer Site heißt es: "Respekt vor der Natur, Tradition und Innovation bestimmen das Credo der Familie Kammerlander und beschreiben exakt ihre Philosophie." Sie müssen wissen, daß ich in meinem Leben mit Traditionen bereits sehr schlimme und nachhaltige Erfahrungen gemacht habe. Deshalb möchte ich Sie persönlich fragen, worin Ihre Traditions-Philosophie besteht.
In die gleiche Richtung zielt Ihre Aussage "Mit Anfang 1995 hat die Familie Kammerlander die alten Traditionen wieder aufgenommen, jedoch in neuer Form." Bitte halten Sie mich nicht für kleinlich, aber sind Traditionen in neuer Form überhaupt noch Traditionen? Und worin bestehen diese Traditionen?
Bevor ich mich bei einem möglicherweise längeren Aufenthalt in Ihre Hände begebe, möchte ich diese in meinen Augen doch recht bemerkenswerten Punkte Ihrer Präsentation geklärt wissen.
Mit freundlichem Gruß,
Friedrich Sievers.
Und die Antwort
Sehr geehrter Herr Sievers,
für Ihr Mail, herzlichen Dank. Schön, daß es menschen gibt, die Texte lesen und sich auch noch damit auseinandersetzen.
Gerne erklären wir Ihnen unsere Auffassung über Natur und Tradition.
Tirol, das Herz der Alpen, wird gerne von Gästen als Urlaubsland gewählt. Viele Menschen verdienen sich damit ihren Lebensunterhalt. Wir auch.
Deshalb ist es unser oberstes Ziel, unseren Lebensraum - im vernünftigen Einklang zwischen Natur und Wirtschaft - zu erhalten und zu pflegen.
Ein Beispiel: Wir pflegen unsere Bergwiesen - mit Sense und Rechen (händisch) das ist kein sehr lukratives Geschäft. Die Almen rund um Gerlos sind alle bewirtschaftet. Da sieht man keinen Hang der nicht gemäht worden wäre und brach liegt. Der Wintertourismus ist eine Säule in der Wirtschaft. Jedoch wird penibel darauf geachtet, daß Schiabfahrten rekultiviert und gepflegt (gedüngt) werden.Vielen Almbauern wird dadurch auch die Bewirtschaftung ihrer Bergflächen erleichtert. Wir versuchen unseren Gästen diese Natur näher zu bringen. Mit geführten Wanderungen oder auf dem Rücken der Pferde.
Auf dem Kröller-gut waren bis in den 50iger Jahren immer Pferde beheimatet. Durch die technische Entwicklung - Autos, Traktoren - wurden sie in den Hintergrund gedrängt und verschwanden dann ganz von der Bildfläche.
Seit 1995 haben wir wieder Pferde auf unserem Gut. Nicht für land- wirtschaftliche Zwecke, sondern für die Freizeit. Wie ich oben schon erwähnt habe, bringen wir unseren Gästen die Natur auf dem Rücken der Pferde näher.
Sie haben vielleicht recht, daß der amerikanische Reitstil (Westernreiten) mit der Tiroler Tradition wenig zu tun hat. Ich glaube jedoch, daß es auch Tradition ist, wenn früher Pferde da waren, dann keine mehr und jetzt wieder. Wir haben diesen Reitstil gewählt, weil er für das Wanderreiten sehr geeignet ist, gewaltfrei ist und auch beim männlichen Geschlecht mehr Anklang findet.
Ich hoffe, daß ich Ihnen Ihre Fragen einigermaßen beantworten konnte. Falls Sie weitere Fragen oder Anregungen haben, bitte schreiben Sie mir wieder.
Herzliche Grüße aus Tirol
Kammerlander Hans