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Manfred-Pawlak-Universität / Archiv

www.traditionsschiffer.de

Sehr geehrter Herr Klammer!

Mit wachsender Bestürzung und Unwohlsein habe ich heute Ihre Homepage www.traditionsschiffer.de betrachtet. Auch sind mir Fragen gekommen, die ich Ihnen hiermit gerne stellen möchte.

Zunächst einmal möchte ich wissen, wie Sie es mit Ihrem Gewissen vereinbaren können, Kapitäne, Steuerleute, Deckhands und Servicepersonal auf diesen alten, maroden Schiffen zum Einsatz zu bringen. Es ist ja kein großes Geheimnis, daß Holz im Wasser mit der Zeit morsch wird. Entsprechend stellt sich bei mir doch eine gewisse Furcht um das Wohlergehen Ihrer Mannschaft ein. Segeln Sie auf diesen Schiffen eigentlich noch mit, und ist das Personal für den Notfall wenigstens ausreichend geschult und versichert?

Sie könnten nun argumentieren, daß mich die Befindlichkeiten Ihres Personals nicht zu interessieren haben, und damit haben Sie sogar recht. Was mich noch tiefer trifft ist die Tatsache, daß Sie auch unbescholtene Bürger mit dem Versprechen eines Traditionsschifferscheins in Ihre Fahrgeschäfte locken. Hier erscheint mir doch die Schwelle zum Wagemut deutlich überschritten. Insbesondere macht mir der "Rennkutter Nobile" einen etwas unstabilen Gesamteindruck.

Weiterhin bitte ich Sie um Unterrichtung, was genau einen Traditionssegler ausmacht. Handelt es sich hierbei um eine Person, die nicht erst seit kurzer Zeit segelt, weshalb man ihr auch das Prädikat "Modesegler" verleihen müßte? Oder verstehen Sie darunter einfach nur ein altes Schiff? Ihre Definition von Tradition würde mich sehr interessieren.

Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie meine Bedenken ausräumen könnten. Du ich bereits 78 Jahre alt bin, bitte ich Sie um schnelle Antwort.

Hochachtungsvoll,

O. Sievers (Kapitän a.D.)

 

Die Antwort lies nicht lange auf sich warten:

Sehr geehrter Herr Sievers!

Einige Zeit habe ich überlegt ob ich auf Ihr Mail antworten soll oder nicht! Zeigt mir Ihr Mail doch in all seinen Teilen daß Sie sich mit den Themen "Traditionsschiffe und Traditionsschiffer" nicht, oder nur sehr unzureichend befaßt haben bevor Sie mir schrieben.

Hier nun einige Anmerkungen zu Ihrem Mail. Die Schiffe auf meiner Hompage sind zwar alt aber nicht marode! Es handelt sich ohne Ausname um Stahlschiffe. Wie alt Stahlschiffe bei entsprechender Behandlung werden dürfte auch Ihnen bekannt sein. Was die Ausbildung und des Personals auf Traditionsschiffen, und die Begriffsbestimmung Traditionsschiff und Traditionsschiffer betrifft, können Sie das in der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt vom 19. Dezember 1997 (Durchführungsrichtlinien für die Traditionsschiffahrt) vom Bundesministerium für Verkehr, Abt. Seeverkehr, nachlesen. Sie werden ua. dort finden das nicht ich, sondern der Gesetzgeber festlegt was ein Traditionssegler ist!

Zum Schluß noch, selbstverständlich segle ich noch auf diesen Schiffen. So bin ich erst gestern, am 15.06. von einer Überführung zurück gekommen. Ich habe eines dieser "alten , maroden" Schiffe in 12 Tagen von Palma de Mallorca nach Kiel zur Kieler Woche überführt. Neben bei, es hat mir und der Crew sehr viel Spaß gemacht. Auch das gibt es auf diesen Schiffen, Jugendarbeit die noch Spaß macht!!

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Klammer

Breite: 51° 28,8´N Länge: 007° 36,4´E

Gerhard Klammer

Nelkenstraße 71

44289 Dortmund

Tel/Fax ++49 (0) 231 - 3 95 37 20

Germany E-mail:

klammer@traditionsschiffer.de

Internet: http://www.traditionsschiffer.de

Und noch einige Anmerkungen von Olaf zu diesem heiklen Thema:

Nochmal hi!

Auf der Homepage dieses sauberen Herrn habe ich dann doch tatsächlich die "Verordnung über den Erwerb von Sportsee- und Sporthochseeschifferscheinen und die Besetzung von Traditionsschiffen" gefunden.

Ich zitiere: "Traditionsschiffe mit einer Rumpflänge unter 15 Meter und nicht mehr als 25 Personen an Bord gelten als Yachten." (Ein Traditionsschiff gilt also nur als Traditionsschiff, wenn mind. 26 Leute drauf sind. Bedenklich!)

"Traditionsschiffe im Sinne dieser Verordnung sind Museumsschiffe und ähnliche Wasserfahrzeuge einschließlich deren Nachbauten, sofern ihr [blabla]" (Traditionsschiffe können also auch - falsche - Nachbauten von - richtigen - Traditionsschiffen sein. Hier erscheint mir Kritik angebracht.)

"Die Feststellung einer Befähigung als Schiffer im Sinne des §1 Abs. 5 oder Maschinist im Sinne des §1 Abs. 6 von Traditionsschiffen kann erst dann erfolgen, wenn die entsprechende Qualifikation und der Erfahrungsnachweis vorliegen." (Dies erscheint mir schlüssig: Modesegler können keine Traditionsschiffer sein.)

"Inhaber des Sportsee- oder Sporthochseeschifferzeugnisses die im Besitz des amtlichen Sportbootführerscheins-See sind und bereits vor dem 1. Januar 1998 nachweislich als Schiffer ein Traditionsschiff geführt haben, können abweichend von §1 Abs. 4 und Inhaber einer Zulassung des Bundesministeriums für Verkehr als Schiffsführer abweichend von §1 Abs. 4 und 5 auch nach dem 1. Januar 1998 ein in diesen Vorschriften genanntes Traditionsschiff als Schiffer führen." (Diesen Satz finde ich einfach nur lustig.)

Den kompletten Wortlaut findet ihr hier: http://home.t-online.de/home/traditionsschiffer/gshw/verordn1.htm

Gruß, Olaf.